Aufzugs-Allerlei oder  Rund um den Aufzug, Fahrstuhl oder Lift

Anmerkung des Autors: Der Begriff "Fahrstuhl" ist für einen Aufzugstechniker nahezu ein Unwort; bei mir erzeugt er stets Gänsehaut oder Nackenhaarkräuseln. Der Begriff ist doch bereits für ein Kranken- oder Behindertentransportgerät besetzt  - und doch wird er immer wieder umgangssprachlich und in Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Publikationen für einen Aufzug bzw. eine Aufzugsanlage benutzt. Auch die Spielfilme Fahrstuhl zum Schafott und Fahrstuhl des Grauens wirk(t)en als Verstärker, obwohl dort hanebüchener technischer Unsinn gezeigt wird. Der Begriff stammt vermutlich von den Fliegenden Stühlen des 17. und 18. Jahrhunderts (Sitzfläche an loser Rolle) und den klappbaren Sitzen in Aufzugsanlagen (z.B. Firma Flohr – heute OTIS) im ersten Drittels des 20. Jahrhunderts.

Hier wird ein Fördermittel für den vertikalen Transport betrachtet und das ist ein Aufzug; englische Bezeichnung:  Lift oder Elevator; französische Bezeichnung: Ascenseur.

Siehe hierzu auch die beiden Fachbücher Fachbegriffe der Aufzugstechnik  des Autors.

 

 80 Stunden im Lift eingesperrt – Quelle: Berliner Zeitung vom 14. Juni 2006 (ungekürzt)

Behinderter Rentner wollte in der Charité zum Augenarzt

Fast vier Tage und Nächte war ein schwerbehinderter 68-jähriger Patient in einem Aufzug des

Benjamin-Franklin-Klinikums gefangen. Am Montagabend (12. Juni) wurde er entdeckt. Für Beamte des örtlichen Polizeiabschnitts ist es "fast ein Wunder", dass der alte Mann nicht verdurstet ist.

Karlheinz S., der im Rollstuhl sitzt, wohnt in einer Steglitzer Seniorenresidenz. Am Freitag (9. Juni) klagte er über Augenprobleme. Deshalb ließ ihn der Pflegedienst ins Benjamin-Franklin-Krankenhaus bringen, das zur Charité gehört. Gegen 13.30 Uhr übergab der Krankentransport den Mann der Klinik. Um 15 Uhr hatte er nach Auskunft der Polizei einen Termin bei der Augenärztin. Doch er erschien nicht, offenbar kümmerte niemanden das Ausbleiben des Patienten. Weil die Seniorenresidenz am Abend noch immer  keine Information hatte, ob ihr Bewohner stationär aufgenommen wurde oder nicht, fragten die Pfleger im Krankenhaus nach und erfuhren – dass der Patient nicht mehr da war. Nun allerdings war auch das Krankenhaus personal beunruhigt. Gegen 22.45 Uhr wandte sich die Augenärztin an die Polizei.

Warum dann bis Samstagabend nichts weiter passierte, ist bislang unklar. Auch die Polizei hat keine Antwort. Erst am Sonnabend gegen 18 Uhr begannen Streifenpolizisten in der Klinik zu suchen. Unterstützt wurden sie von drei Diensthundeführern und dem Sicherheitsdienst des Krankenhauses. Alle Stockwerke, Dachboden, Keller und Versorgungsbereiche wurden durchsucht. Auch die umliegenden Parkanlagen bis hin zum Teltowkanal wurden bis etwa 22 Uhr abgelaufen – nichts.

Es vergingen weitere 2 Tage. Am Montag, gegen 22.30 Uhr, wollte ein Arzt der Augenklinik im dritten Obergeschoss den Lift Nummer 20 benutzen, als er hinter den geschlossenen Türen ein Wimmern vernahm. Er fragte, wer da sei und hörte Hilferufe. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin steckte die Kabine zwischen dem zweiten und dritten Stock fest. Der Arzt habe den Pförtner alarmiert.  

"Der Patient ist wohlauf", sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele gestern. Vorsichtshalber sei er aber stationär aufgenommen worden. Endele kündigte eine Überprüfung an. Noch sei unklar, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Polizisten und Klinikmitarbeiter hätten in den vergangenen Tagen nach dem Patienten gesucht, sagte sie. Eine erste Untersuchung des Fahrstuhls habe ergeben, dass der Notruf funktionstüchtig gewesen sei. Dass in dem Gebäudekomplex ein Aufzug nicht mehr fuhr, sei aber niemanden aufgefallen. "Da sind viele Aufzüge nebeneinander. Wenn da einer nicht kommt, merkt man das nicht."

 

 

Aufzüge in Behörden: Notruf oft mangelhaft

Quelle: ZDF-WISO-Sendung vom 18. Nov. 2005 (nahezu wortgenaue Wiedergabe)

WISO hat die Notruf-Systeme von Aufzügen in verschiedenen Berliner Behörden getestet; die Stichprobe stellt lange Wartezeiten fest.

In fast jedem der getesteten Gebäude gab es Mängel bei der Rettung aus steckengebliebenen Aufzügen. das ist das Ergebnis einer WISO-Stichprobe in sechs Berliner Behörden. Es sind vor allem technische Defekte und die schlechte Organisation, die zu langen Wartezeiten führen.

Am schlechtesten schnitt das Bezirksamt Mitte ab. Das Notrufsystem hatte versagt, es gab keine Rettung. Der Kameramann musste nach einer Stunde einen Mitarbeiter der Behörde zu Hilfe rufen. Danach vergingen noch weitere 30 Minuten, bis unsere Tester frei waren. In einem anderen Gebäude saßen die Eingeschlossenen nach dem Notruf noch 25 Minuten fest, in drei weiteren Fällen mussten sie sogar 40 bis 45 Minuten warten. Nur im Bezirksamt Charlottenburg wurden die Tester in einer angemessenen Zeit von 16 Minuten befreit.

Der Ablauf der Rettungsaktion war in fünf von sechs Fällen mangelhaft. Im Finanzamt Wilmersdorf hat der Pförtner den Notrufton mehrfach ignoriert und sogar ausgeschaltet. Nur im Bezirksamt Charlottenburg verlief die Rettung planmäßig. Fünf  Notruf-Systeme wiesen technische Mängel auf. In drei Fällen war der Notrufton für die Eingeschlossenen nicht zu hören. Sie wussten also nicht, ob der Notruf funktioniert. Das ist häufig eine Ursache für Panik in steckengebliebenen Aufzügen. Außerdem konnten die Tester nur in zwei Gebäuden eine Belüftung zuschalten.

Die Betreuung von außen war nur im Finanzamt Charlottenburg akzeptabel. In drei Gebäuden wurden die Eingeschlossenen überhaupt nicht über den Fortgang der Rettungsaktion informiert. Im Finanzamt Wilmersdorf und im Bezirksamt Mitte kam nicht einmal ein Sprechkontakt zustande. Selbst die Rettung war in einem Fall mangelhaft: Im Bezirksamt Mitte wurden die Eingeschlossenen über eine Leiter gerettet. Das ist gefährlich und nicht erlaubt!

Dauer bis zur Rettung                Landesverwaltungsamt                          25 Minuten

                                               FA Charlottenburg                                 40 Minuten

                                               BA Tempelhof                                       40 Minuten

                                               FA Wilmersdorf                                     45 Minuten

                                               BA Mitte                                               rot (mangelhaft)

                                               BA Charlottenburg                                 grün (gut)

 

 

Aufzugfahren – mal anders

Quelle: Der Spiegel, Nr. 25 vom 19.Juni 2006, Seite 156 – Streitgespräch zwischen  Springer-Vorstandschef M. Döpfner und Literaturnobelpreisträger G. Grass

Nachfolgende wortgenaue Wiedergabe bezieht sich lediglich auf das Aufzug-fahren-Prinzip und ist ein kleiner Ausschnitt aus einer sehr umfangreichen Aufzeichnung.

Grass: Die "Bild"-Zeitung jedenfalls ist geprägt vom täglichen Eindringen in das Privatleben öffentlicher Personen.

Döpfner: Größer als die Schlagzeilen der "Bild"-Zeitung ist gelegentlich nur die Heuchelei mancher Prominenter, wenn sie sich als Opfer stilisieren. Erst wollen sie von der Plattform profitieren, und hinterher, wenn´s mal unangenehm wird, kritisieren sie, dass "Bild" immer noch da ist. ….. Für die "Bild"-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.

Grass: Interessant, was Sie sagen. Jetzt weiß ich, warum ich das so viele Jahre durchgehalten habe, mich in Ihren Zeitungen nicht zu bewegen, geschweige denn, mit Ihnen Aufzug zu fahren. Für mich ist die "Bild"-Zeitung geschmacklos und abscheulich. Ich bleibe dabei: Sie appelliert  - und das mit Kalkül – an die niedrigsten Instinkte ihrer Leser.

 

 

Die Benimm-Regeln für den Aufzug, auch: Fahrstuhl-Etikette oder Fahrstuhl-Knigge

Quelle: stern TV vom 19.1.2006, auch: www.stern.de/tv/sterntv/   (gekürzte bzw. sinngemäße Wiedergabe)

Die wichtigsten Benimm-Regeln für Fahrten im Aufzug auf einen Blick:

1.    Einsteigen/Aussteigen

Vortritt haben grundsätzlich Damen, Gäste und ältere Menschen. Im Berufsleben sollte man  Vorgesetzte vorlassen. Aufgehoben sind diese Regeln, wenn großes Gedränge herrscht. Dann gilt einfach: Zuerst geht, wer vorne, an der Tür, steht – wie praktisch.

2.    Gespräche

Im Fahrstuhl geziemt sich nur eine sachbezogene Konversation – mit Fremden allemal. Gezwungener Small-Talk über das Wetter oder Ähnliches ist nicht angebracht. Spreche sollte man so leise wie möglich. Handy-Gespräche sind tabu.

3.    Knopf drücken

Wenn jemand die Hände nicht frei hat (z.B. weil er Akten oder Einkaufstaschen trägt), gebietet es die Höflichkeit, für ihn den Knopf zu drücken.

4.    Kontakt

Ganz gleich wie voll es in der Kabine wird, sollten die Mitfahrenden nicht angestoßen werden. Augenkontakt ist ebenso wenig erwünscht wie das Mustern des anderen. Statt starr nach unten zu blicken, sollte man auf die Tür schauen.

 

In kaum einer anderen Stadt der Welt wird so viel Aufzug gefahren wie in New York. Aber wer denkt, den New Yorkern würde es Spaß machen, binnen Sekunden durch ihre Wolkenkratzer zu rauschen, der täuscht sich. Für viele ist es der reinste Stress, mit Fremden dicht an dicht auf so engem Raum zusammenzustehen.

In Zeitungen und auf Websites wird immer wieder die Frage erörtert, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält. Es gibt ganze Regelwerke zur Fahrstuhl-Etikette. Der wichtigste Leitsatz lautet: Die anderen nicht mustern. Wohin aber soll man gucken? Viele starren einfach nach unten auf ihre Füße. Andererseits wird empfohlen, nicht nach unten zu sehen, sondern gerade aus zur Tür hin. Mancher Aufzugs-Knigge geht so weit zu raten, die Hände vor dem Körper zu falten, falls man keine Aktentasche oder dergleichen festhält. Die anderen sollte man möglichst nicht anstoßen.

Einigkeit herrscht darüber,  dass man im Aufzug nicht sprechen darf oder höchstens ganz leise. Auf dem Handy weiter zu telefonieren gilt als Fauxpas. Die große Mehrheit hält sich an dieses Schweigegebot und so kommt es, dass New Yorker Aufzüge Oasen der Stille sind. Allerdings ist es eine entnervende Stille, die peinlich wirken kann und bei der man sich manchmal richtig unwohl fühlt.

Der schweizerische Kabarettist Emil Steinberger, der sechs Jahre in Manhattan gewohnt hat, hat den Eindruck, "dass die Menschen an diesem Ort sogar den Atem anhalten, sich gleichzeitig aber die Zehen in ihren Schuhen zu krümmen beginnen, während der ganze Körper regungslos und steif, wie angewurzelt, an einer Stelle stehen bleibt.

Alle genannten Regeln verfallen jedoch, wenn der Aufzug stecken bleibt. Meist beginnen dann alle, sich zu unterhalten, und das nach Einschätzung von Psychologen auch das Richtige, weil so Spannung abgebaut wird. Es soll Menschen geben, die bei jeder Aufzugsfahrt befürchten, der Lift könne stecken bleiben oder gar abstürzen. Wer von einer Aufzugsneurose gepackt wird, kann eigentlich nur noch wegziehen – Treppensteigen ist kaum eine Alternative.

 

 

Aufzug in einem Airbus A380  (19.Juli 2006)

(Liftjournal 4/2006, Seite 37)