Trends in der Aufzugstechnik

                                                                                                  zuletzt aktualisiert: 08. 01. 2002
1. Vorschriften
 

in: 
- Richtlinie 95/16/EG, AufzR; seit 01.07.1999 -  gemeinsame Norm in Europa 
- seit dem 01.07.1999 ist die DIN EN 81-1 und -2 gültig/rechtsverbindlich (die zuvor enthaltenen "nationale Vorbehalte" sind entfallen)
- in Deutschland wird die EU-Richtlinie 95/16/EG durch die 12. Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz (12. GSGV) und die Aufzugsverordnung in nationalen Recht umgesetzt.
  Die 12. GSGV regelt dabei das Inverkehrbringen und die Beschaffenheitsanforderungen von Aufzugsanlagen, richtet sich also vornehmlich an die Hersteller- und Montagefirmen.
  Die harmonisierten Normen DIN EN 81-1/2 sind ein Bestandteil (eine Untermenge) der 12. GSGV. In ihnen werden bekanntlich die Sicherheitsregeln für die Konstruktion und 
  den  Einbau von Aufzügen beschrieben.
  Die Aufzugsverordnung (AufzV) hingegen richtet sich an die Betreiber von Aufzugsanlagen.
- Aufzugsverordnung - AufzV; neu seit Juni 1998
- DIN EN 81- 1/1 Ergänzung A1 - Einsatz von programmierbaren elektronischen Systemen (PES), die aus Hardware zur Informationsaufnahme, -übertragung und -verarbeitung sowie aus Software zur Informationsauswertung aufgebaut sind, werden in Ziffer 14.1.2 als Alternative zu Sicherheitsschaltern und Sicherheitsschaltungen aufgenommen; vollständig gültig etwa ab Mitte 2002.
- DIN EN 81-1/2  Ergänzung A2 - Aufzüge ohne Triebwerksraum; es werden verschiedene Aufstellungsorte des Triebwerks und der Steuerung innerhalb und außerhalb des Schachtes definiert; vollständig gültig etwa ab Ende 2002.
 

  • prEN 81-21 Neue Personen- und Lastenaufzüge in existierenden Gebäuden
  • prEN 81-28 Fernnotruf für Personen- und Lastenaufzüge
  • prEN 81-70 Zugänglichkeit von Aufzügen für Personen, einschl. Personen mit Behinderung;  LR 6/2001, Seite 68
  • prEN 81-80 Regeln zur Erhöhung der Sicherheit bestehender Personen- und Lastenaufzüge
  • prEN 13 015 Instandhaltungsanweisungen für Aufzüge und Fahrtreppen

out: TRA 200

 

2. Triebwerksraum(Maschinenraum)
 

in:

Aufzugsanlagen ohne Triebwerksraum oder auch Roomless  - raumlos

1997 -  Einführung durch die Fa. Kone "Mono-Space",

1998 -  Fa. Thyssen mit "Evolution" (Name ist sehr zutreffend) 

heute: nahezu jede Aufzugsfirma 

Es wird allgemein eingeschätzt, dass die triebwerksraumlose Aufzugsanlage eine gleichbedeutende Erfindung bzw. Innovation ist, wie seinerzeit anno ca. 1900 die Einführung der Treibscheibe.

Architekt und Bauherr klatschen Beifall, weil sie Platz und Kosten sparen. Jedoch müssen die erforderlichen Einrichtungen- und das sind nicht wenige -irgendwo untergebracht werden. Diese Einrichtungen müssen auch eingesehen, bedient, gepflegt und gewartet werden können. Bezüglich Zugänglichkeit, Beleuchtung, Belüftung, etc. gelten ohne Abstriche die Anforderungen aus der Ziffer 6. Im Schacht oder in dessen unmittelbarer Nähe müssen für das Triebwerk und die Steuerung Aufstellungsorte gefunden werden, die den Anforderungen genügen, z.B. auch temporäre Arbeitsplattformen o.ä..

Lit.:- Dr. G. Schiffner, Aufzüge ohne Triebwerksraum, LR 1/2001, Seite 34

      - Dr. D. Küntscher, Stand und Entwicklung im Aufzugsbau, LR 1/2001, Seite 90 

out:

Der Triebwerksraum, in dem der Antrieb   (elektrisch oder hydraulisch), die Steuerung, der Hauptschalter und sonstige Einrichtungen untergebracht sind.

Ausführung und Ausrüstung nach Ziffer 6 der EN 81-1 und -2.

Zur Zeit werden die Vorschriften für Aufzugsanlagen ohne Triebwerksraum in den Fachgremien diskutiert; 

3. Antrieb (Winde,  Motor + Getriebe + Treibscheibe)
 

in:

- Gearless und roomless, das sind die neuen Zauberwörter -

getriebelos und triebwerksraumlos (vielleicht kommt bald noch für einige Komponenten wireless (drahtlos) hinzu; gibt es eigentlich auch liftless?;  firewire (Feuerdraht),

- Moderne Antriebe sind heute ohne Frequenzumrichter kaum noch vorstellbar. Sie ermöglichen es, die Drehzahl und das Drehmoment von Asynchronmotoren in einem großen Bereich zu beeinflussen.

- Antrieb im Schachtkopf

- Steuerung/Steuerschrank im Schacht, häufig im Bereich der obersten Haltestelle

- Das heutige Nonplusultra eines Antriebes

--ist klein und kompakt und somit für die triebwerksraumlose Montage z. B. auf einem Schachtgerüst o.ä. im Schachtkopf geeignet, also roomless,

-- der Antriebsmotor ist ein leistungsstarker hochpoliger (= niedrige Drehzahlen)  Synchronmotor, so dass kein Getriebe benötigt wird, also gearless,

-- kein Getriebe bedeutet auch kein Oel (dies sollte nicht vergessen werden),

-- der Motor ist als Außenläufer ausgeführt, der Stator dreht sich und ist zugleich als Treibscheibe ausgebildet - kompakter geht´s nicht, oder? 

-- Aufzugs- und Antriebssteuerung (Frequenzumrichter) befinden sich in der Schachtwand (Übergang Gebäude-Schacht) im Bereich der obersten Haltestelle in unmittelbarer Nähe.

OTIS behauptet: durch PU-Gurte, Synchronmotor und modernster Regelung arbeitet der Antrieb von Gen2 um bis zu 50 % energieeffizienter als konventionelle Antriebe. 

 

out:

- Eingeschwindigkeitsantrieb

- polumschaltbarer Motor

- statische und rotorische Umformer

- Ward-Leonhard-Antrieb

- jegliche Art von Getriebe

4. Antrieb (hydraulisch)
 

in:

- Der Trend nach "triebwerksraumlos" ist auch hier unverkennbar. Ölbehälter, Pumpe, Steuerung, etc. werden in der Laibung einer Schachtwand untergebracht. Zur Reduzierung der Antriebs- und Pumpenleistung wird mittels eines Ausgleichsgewichtes ein Lastausgleich des Fahrkorbes vorgenommen. Mit einer doppelten Beaufschlagung des Kolbens als Zug- und Druckkolben können somit Verhältnisse geschaffen werden, die dem Anschlusswert eines Seilaufzuges sehr nahe kommen.  Ein frequenzgeregelter Pumpenmotor soll zusammen mit einem Regelventil den Geschwindigkeitsverlauf verbessern. Damit wird nicht nur die Leistung des Motors reduziert, sondern auch dessen Anlaufstrom. Es bleibt das Erfordernis, die Veränderung der Viskosität des Öls in Abhängigkeit von der jeweiligen Betriebstemperatur besonders gut zu erfassen und auszuregeln. Die Geräuschfrage ist bei allen hydraulischen Antrieben ohne Triebwerksraum kritisch.

- Der frequenzgeregelte Hydraulikantrieb mit hydraulischem Gegengewicht unterscheidet sich von einem konventionellen  Hydraulikantrieb dadurch, dass sowohl der Motor, als auch die Pumpe mit einer veränderlichen Drehzahl betrieben werden und dass auf der gemeinsamen Motor-Pumpenwelle eine zweite Hydraulikpumpe fest montiert ist. Der Druckanschluss dieser Hy-Pumpe wird über eine hydraulische Steuerung zu einem hydraulischen Speicher geführt. Bei der Hubfahrt wird bei dieser Einrichtung für das Erreichen der gewünschten Fahrgeschwindigkeit nur die dafür benötigte Menge Öl gefördert und nicht wie beim konventionellen Hy-Antrieb eine konstante Menge. Die Druckenergie, die im Speicher vorhanden ist, gibt mit der Durchflussmenge der Zusatzpumpe ein Drehmoment auf die Pumpen-/Motor- welle ab. Damit wird das für eine Hubfahrt benötigte Moment reduziert und somit auch die benötigte elektrische Anschlussleistung. Dies hat zur Folge, dass weniger elektrische Energie benötigt wird und dadurch eine geringere Ölerwärmung durch die Motor- und Pumpenverluste entsteht. Für die Senkfahrt kann die Pumpe den Motor antreiben, d.h.  er wird zum Generator. Die in der Senkfahrt vorhandene potenzielle Energie des Fahrkorbes wird benutzt um den Hydraulikspeicher auf ein höheres Druckniveau zu bringen, das in der nachfolgenden Hubfahrt  zur Leistungsreduktion beiträgt. An dieser Anordnung ist kein mechanisches Gegengewicht im Schacht erforderlich, dabei können normale Pumpen und Motoren eingesetzt werden. 

Lit.: LR 03/2000, Seite 75

out:

- Tank

- Heber, etc

5. Elektromotor + Regelung
 

in:

- Synchronmotor mit Frequenzregelung (vollgeregelter Permanentmagnet-Antrieb), der Synchronmotor kann problemlos für kleinere Drehzahlen gebaut werden, also kein Getriebe erforderlich und somit auch kein Oel. 

- Ist der Motor als Außenläufer ausgeführt, kann der Stator zugleich als Treibscheibe genutzt werden. 

- Im Vierquadrantenbetrieb kann auf Richtungsschütze verzichtet werden, Bremsenergie kann rückgespeist werden. 

- Es heißt: Ein Aufzugsantrieb ist nur so gut wie seine Regelung. Hochwertige Regelung mit entspr. Gebern für Lage und Geschwindigkeit, einschl. digitaler Schachtkopierung werden installiert.

- Durch Seildehnung oder Gewichtsveränderung - Nachregeln bei offener Tür; das Lösen der Bremse in der Haltestelle bei offener Tür bedeutet erhöhtes Sicherheitsrisiko, folglich sind höchst zuverlässige und redundante Ausführung von Gebern und Regelung und zusätzliche Sicherheitsüberwachungen erforderlich.

out:

- Bis vor wenigen Jahren wurden Hochleistungsantriebe ausnahmslos in Gleichstromtechnik als DC-Motoren ausgeführt, d.h. als permanenterregte Gleichstrommotoren mit Gleichspannungssteller in Thyristor- oder Transistortechnik (noch früher Transduktoren), mit dem Vorteil der einfachen Regelung und allen bekannten Nachteilen des mechanischen Kommutators (Bürste).

Aufgrund der Fortschritte bei Leistungshalbleitern, Mikroprozessoren und Permanentmagneten hat sich die Situation grundlegend geändert. Bürstenlose Drehstrommotoren mit Pulswechselrichtern und hochdynamischen Regelungen lösen die Gleichstromantriebe, die DC-Motoren, ab. 

- Drehstrom-Asynchronmotor , polumschaltbar

- Beim Asynchronmotor wurde bisher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, generell ein Untersetzungsgetriebe gewählt, um Kosten und Gewicht für den Antriebsmotor verkleinern zu können. 

6. Bus-Technologie
 

in:

- Moderne Bussysteme ermöglichen die Kommunikation der einzelnen Aufzugskomponenten (bidirektional) miteinander/untereinander. 

Die Schnittstelle zwischen der Steuerung und den Befehls- und Anzeigegeräten an den Haltestellen und dem Fahrkorb sind ebenso wie alle Informationen aus dem Schacht (Schachtkopierung) in einer Bustechnologie aufgebaut.

Die Firmen Böhnke, Loher, RTS, Ziehl-Abegg u.a. haben gemeinsam die DCP (Drive Control and Position)- Schnittstelle entwickelt, vornehmlich für die 2-Draht-Kommunikation zwischen Frequenz-Umrichter und der Steuerung im Schaltschrank; das Programm ist in Linux geschrieben und im Internet verfügbar.

out:

div. Verbindungsleitungen zwischen den Komponenten und haltestellenabhängige Verbindungen

7. Diagnosemöglichkeiten
 

in:

- alle Steuerungen verfügen über Diagnosemöglichkeiten für die verschiedenen Betriebszustände; Auslesen von Ereignis- und Fehlerspeichern ist möglich, Zugriff auf diese Speicher über eine Schnittstelle, z.B. mittels Modem. Damit ist eine Ferndiagnose über den momentanen Betriebszustand, wie auch das Herauslesen und ggf. Drucken von Vergangenheitsdaten, aber auch über eine Ferneinwirkung im beschränktem Umfang die Wiederinbetriebnahme einer gestörten Anlage möglich. Diese Einrichtungen werden natürlich auch für den Notruf verwandt. Sie entlasten zugleich den Betreiber aus der formalen Verantwortung für die Erreichbarkeit eines Aufzugswärters (AufzV, § 20).

Lit.: LR 2/98, Seite 6  -  Teleservice - Hotline zum Aufzug

out:

8. Tragmittel
 

in:

- Einsatz eines vollsynthetischen Tragseils (Schindler Aramid)

Hersteller: Pfeifer Drako

-- hohe Traktionsfähigkeit und kleine Biegeradien erlauben kleine Treibscheiben. Das führt zu geringeren Motormomenten und damit zu kleineren Antrieben,

-- ist viermal leichter als Stahlseile gleicher Belastbarkeit,

-- hat eine ca. viermal längere Lebensdauer als Stahlseile,

-- wird permanent elektronisch auf Bruch überwacht.

LR 04/2000, Seite 108

Die Ablegereife von Tragmitteln wird mittels einer elektrisch leitenden Carbonfaser erkannt.

- Einsatz von Gurten als Stahlseil-Alternative (Fa. OTIS- "zweite Generation von Aufzügen" - Gen2, Hersteller: Conti-Tech Hannover)

-- Die 300 mm breiten und nur 3 mm dicken, korrosionsfreien Aufzugsgurte bestehen im Kern aus zwölf Polyurethan-ummantelten Stahlseilen, die aus Einzeldrähten geflochten sind. Aufgrund der größeren Auflagefläche der flachen und flexiblen Gurte auf der Treibscheibe ist der Abrieb und damit der Verschleiß um ein Vielfaches geringer als bei Stahlseilen. Durch die erhöhte Mitnahmereibung können die Momente der Maschine effizient übertragen werden, wodurch bei gleicher Leistung eine kleinere und energiesparende Antriebsmaschine erforderlich wird. Das Zusammenspiel von Maschine, frequenzgeregeltem Antrieb und dem PU-ummantelten Gurtsystem sorgt für eine bemerkenswerte Laufruhe. 

LR 03/2000, Seite 100;  LR 05/2000, Seite 75

out:

herkömmliche Stahlseile

9. Notrufeinrichtung, prEN 81-28 Fernnotruf, Entwurf TRA 106
 

in: 

Bekanntlich gilt seit dem 1.7.1999 die Aufzugsrichtlinie 95/16/EG und damit auch die DIN EN 81-1/2 : 1998. Sie verlangt als eine grundsätzliche Sicherheitsanforderung unter Ziffer 14.2.3.1 und 14.2.3.3, dass im Fehlerfall und um dann Hilfe von außen herbeizurufen, zwischen dem Fahrkorb und einer ständig besetzten, hilfeleistenden Stelle (Notrufzentrale/Leitwarte)  eine Gegensprechanlage (2-Wege-Kommunikation) vorhanden sein muss. Diese Verbindung wird i.d.R. drahtgebunden über das Telefonnetz realisiert und muss beim Inverkehrbringen der Aufzugsanlagen vorhanden sein. Eine Funktionsprüfung dieser Einrichtung vor Inbetriebnahme der Aufzugsanlage wird im normativen Anhang unter D.2m (EN 81-1) bzw. unter D.2z (EN81-2) gefordert. 

Die (mir) bekannten Fern-Notrufbetreiber sind: - Schindler  mit Servitel ; - Otis mit REM ; - Thyssen  mit Teleservice

Eine derartige Notrufeinrichtung mit all den nachfolgend beschriebenen Funktionseigenschaften soll den in Deutschland nach der Aufzugsverordnung, Par. 20, geforderten Aufzugswärter ersetzen.  Ein Aufzugswärter soll die Aufzugsanlage (rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr) beaufsichtigen, Mängel melden, Weiterbenutzung verhindern, wenn die Mängel gravierend sind und  Personen befreien, wenn sie aufgrund einer Betriebsstörung im Fahrkorb eingeschlossen sind. 

Merkmale bzw. Funktionseigenschaften einer Notrufeinrichtung

Beim Betätigen des Notruftasters im Fahrkorb wird in etwa folgender Funktionsablauf automatisch in Gang gesetzt: 

Es erfolgt ein Missbrauchscheck, mitunter auch als Filter/Filterung bezeichnet. 

  • Missbräuchliche Benutzung des Notruftasters liegt vor, wenn

           -  der Notruftaster weniger als 3 s betätigt wurde,

           -  sich die Anlage in Fahrt befindet,

           - sich die Anlage im Tür- Öffnungsbereich einer Haltestelle befindet,

           - die Tür offen ist und 

           - das Fahrkorblicht leuchtet.

  • Der Notruf- oder auch Alarmtaster oder Alarmsensor (Temperatur, Glasbruch, Bewegung (wegen des „Surfens“), etc. muss in vandalensicherer Ausführung ausgeführt sein. Der Aufbau einer Sprechverbindung darf außer dem Betätigen des Notruftasters keine weiteren Bedienungsanforderungen an die eingeschlossene/n  Person/en bzw. Benutzer stellen. Sie ist als Freisprecheinrichtung zu betrachten.
  • Es folgt eine Sprachansage (Ihnen wird geholfen, bleiben Sie ganz ruhig), dass nunmehr eine Telefonverbindung zu einer Notrufzentrale aufgebaut wird.
  • Über eine Wähleinrichtung erfolgt ein selbsttätiger Verbindungsaufbau zu einer ständig besetzten und einsatzbereiten Notrufzentrale. Benutzt wird z.Z. noch am häufigsten das analoge Festnetz. Aber auch ISDN und/oder Mobilfunkeinrichtungen können verwendet werden. 
  • Ist diese Notrufzentrale besetzt, gestört oder  - aus irgendwelchen Gründen auch immer  - nicht erreichbar, so werden Ausweich-Rufnummern gewählt. In den Wähleinrichtungen sind bis zu 12 Rufnummern in einem EEPROM gespeichert, die im Bedarfsfall alle nacheinander angewählt werden können und danach - wieder von vorn beginnend.  Im Normalfall wird sich die Notrufzentrale nach 1 bis 3 Wählversuche persönlich melden. Ausnahmen, wie weiträumiger Spannungsausfall,  weiträumige und starke Gewitter, katastrophenähnliche Ereignisse, etc., werden die Regel bestätigen.
  • Als erstes wird nach einem Verbindungsaufbau ein Datenaustausch zwecks Identifizierung der gestörten Aufzugsanlage veranlasst. In der Zentrale müssen in etwa folgende Angaben bekannt sein:

               - Fabrik-Nr., Hersteller, Baujahr

               - kompl. Anschrift (Ort, Straße, Hausnummer, Aufgang)

               - Haustür- und Triebwerksraumschlüssel, Schlüsseltresor, Hausmeister oder Ansprechpartner

               - Gebäudeleitzentrale oder Conciergesystem vorhanden?, 

               - wo ist der Triebwerksraum, Schlüssel für ...

              - Treibscheibe oder Hydraulik, etc. 

              - Art und Häufigkeit der vorherigen Störungen

              - zeit- oder fahrtenzahlabhängige (bedarfsorientierte) Wartung 

  • Üblicherweise liegen diese Daten in der Zentrale seit der Erstinbetriebnahme vor, so dass bei einer Störung lediglich eine Kennung von der Anlage gesendet  werden muss, um diese eindeutig zu identifizieren. Im Übrigen und nebenbei - Anlagedaten müssen auch gepflegt werden!!
  •  Die Identifikation der  Notrufquelle muss absolut sicher erfolgen, wenn erforderlich, auch mit mehrfacher Redundanz  (geeignete ID-Nummer). Es wird zu Recht als unzumutbar betrachtet, den eingeschlossenen Benutzer  aufzufordern, die Fabrik-Nr.  des Aufzuges (DIN EN 81-1/2 Ziffer 15.2.2) abzulesen und zu nennen. Unter Ziffer 14.2.3.3 heißt es: „Nach Abgabe eines Notrufes dürfen weitere Handlungen der Eingeschlossenen nicht mehr notwendig sein.
  • Es wird eine echte, i.d.R. hochqualitative, Telefonverbindung (Gegensprechen, Vollduplex, 2-Wege-Kommunikation, üblicherweise mittels eines Voice-Modems) aufgebaut. Die Sprech-/Verbindungszeit wird i.d.R. von der Zentrale festgelegt. 
  • Es ist gewiss von großem Vorteil, wenn das Personal in der Notrufzentrale weiß, was eine Aufzugsanlage ist, wie sie grundsätzlich funktioniert und wie sie beschaffen ist. Damit können leicht Über- und Untertreibungen der Eingeschlossenen relativiert werden. Auch Kenntnisse über Klaustrophobie und Grundlagen der Gesprächsführung sind gewiss von Nutzen; will sagen, die Aufgaben einer modernen Leitwarte sind sehr vielfältig und mit ein wenig Fantasie lassen sich diverse Synergieeffekte ableiten und ev. gar neue Geschäftsfelder erschließen.
  • Bis zur Erledigung des Notrufes (z.B. Befreiung der Personen vor Ort) muss es möglich sein, dass die Notrufzentrale eine erneute Sprechverbindung zum Fahrkorb der gestörten Aufzugsanlage aufbaut. Ist die Störung jedoch beseitigt, liegt also kein  Notruf mehr vor, darf keine Sprechverbindung zum Fahrkorb aufgebaut werden können. Damit ist ein Abhören des Fahrkorbes nicht möglich; ein äußerst wichtiger Aspekt.
  • Ist nach DIN EN 81-1/2 Ziffer 5.10 in der Schachtgrube eine Notrufeinrichtung vorhanden, so muss von dieser aus uneingeschränkt eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale möglich sein. 
  • Die gesamte Notrufeinrichtung wird für den Fall des Netzspannungsausfalls mit Notstrom versorgt, ca. für 1 bis zu 5 h. Die Ladung und der Ladezustand der Akkus sind ständig zu überwachen. 
  • Die Notrufzentrale (Leitwarten-Software) archiviert jeden Anruf der aufgeschalteten  Aufzugsanlagen und wertet Fehlermeldungen nach statistischen Gesichtspunkten  aus.
  • Zur Durchführung periodischer Funktionstests muss mindestens alle 3 Tage eine automatische Verbindung zwischen dem Notrufsystem der Aufzugsanlage und der Notrufzentrale aufgebaut werden. Bei Wartungsarbeiten an der Aufzugsanlage wird ein manueller Testalarm aus dem Fahrkorb ausgelöst und damit der kompl. Funktionsablauf gecheckt. 
  • Es kann außerdem eine bestimmte Anzahl (5 bis 30) Gebäudetechnik –Meldungen (Heizung, Klima, Lüftung, Zugangssysteme, Gebäudeüberwachung, Sicherheitstechnik, EIB (Europäischer Installationsbus) oder instabus von Siemens u.v.a.m.) übertragen und in der Zentrale angezeigt und ausgewertet und archiviert werden (lediglich eine Frage der Leitwarten-Software), siehe Hinweis auf Synergieeffekte.

out:
Klingel, Hupe o.ä. im Hauptzu-
gangsgeschoss; Aufzugswärter;

TRA 200 (Personen-, Lasten- u. 
Güteraufzüge)
stiller Notruf nach TRA 200,
Ziffer 260.522 oder auch
akustischer Notruf  nach 
Ziffer 260.521; laut mit min. 
85 dB in Schachtnähe; 

TRA 007(Betrieb) Ziffer 2.6.6,

TRA 102 (Prüfung von Aufzugs-
anlagen) Ziffer 2.2.2.6 und 3.1.4

Entwurf TRA 106 (Leitsysteme 
für Fernnotrufe
 

 

 

10. EMV
 

in:

- Einsatz von hocheffizienten Filtern,

- Erhöhte Schutzanforderungen, bei denen auch die Verlegung der Kraft- und Steuerleitungen, einschl. der Anbindung an den Potenzialausgleich ohne Schleifenbildung erforderlich sind,

- besonderes Augenmerk bei Aufzugsgruppen,

- besonderes Augenmerk bei der Installation von Geberleitungen,

- Einsatz von abgeschirmten Leitungen dort, wo es erforderlich ist

out:

-EMV-Probleme,

- div. Netzrückwirkungen,

- Probleme mit langen Leitungen,

- Reduzierung der Motorlebensdauer aufgrund steiler Schaltflanken,

- Überspannungen am Motor,

- erhöhte Umrichterbelastung,

- hohe Geräuschentwicklung,

- Nichteinhaltung der Funkstörgrade,

- div. "hinterhältige" Störeffekte

11. Steuerung
 

in:

Grundsätzlich auf Mikrorechner-Basis; beliebige Zusammenschaltung zu einer Gruppensteuerfunktion möglich, d.h. jede einzelne Steuerung kann sowohl als Leitrechner für die anderen Aufzüge fungieren, wie auch unabhängig von den übrigen Gruppenanlagen selbständig arbeiten. Die Auswertung der vorliegenden Innen- und Außenrufe (Fahrtwünsche) wird immer mehr verfeinert und zwecks Erhöhung der Verfügbarkeit optimiert. Spezielle Nutzensanforderungen auch nach der Inbetriebnahme jederzeit leicht veränderbar. Vielfältige Möglichkeiten in bezug auf Rufabarbeitung und Schachtkopierung. Vorrangige Zielstellung: Minimierung der Wartezeit an den Schachtzugängen.

Zugangskontrollsysteme, z.B. Codekartenleser, werden zur Fahrbefehls- oder Rufabgabe benutzt; verbunden mit einem Gebäudemanagement- oder Concierge-System läßt sich leicht ermitteln, wer, wo und seit wann sich im Gebäude aufhält, etc.

out:

Relais, Kopierwerke, Magnet-

schalter zur Schachtinformation,

div. kontaktbehaftete Schaltgeräte

12. Übergeschwindigkeit ("Sturz")  nach oben
 

in:

Seit dem Inkrafttreten der AufzR 95/16/EG am 01. Juli 1999 müssen Aufzugsanlagen auch in Aufwärtsrichtung gegen Übergeschwindigkeit geschützt werden. Ein "Sturz nach oben" wird möglich, wenn mechanische und/oder elektrische Fehler auftreten. Bedingt durch das schwerere Gegengewicht kann der Fahrkorb im Fehlerfall aus der Haltestelle wegtrudeln und auf dem Weg nach oben, gegen die Schachtdecke, Übergeschwindigkeit erreichen. In der DIN EN 81-1, Ziffer 9.10 sind die Maßnahmen und Schutzeinrichtungen gegen eine ungewollte Aufwärtsbeschleunigung beschrieben. 

Die Übergeschwindigkeit wird mit dem bekannten Geschwindigkeitsbegrenzer erfasst und von ihm ausgelöst. Die Abbremsung aus der Übergeschwindigkeit kann mit mehreren Sicherheits- Schutzeinrichtungen erfolgen. Dies sind im Einzelnen: zusätzliche Fangvorrichtung für die Aufwärtsrichtung, Fangvorrichtung, die in beiden Richtungen fängt, zusätzliche Bremse an der Treibscheibe oder zumindest in unmittelbarer Nähe der Treibscheibe oder eine Seilbremse, die direkt auf die Tragseile oder auf die Unterseile wirkt. 

Vermutlich wird sich die beidseitig (doppelt) wirkenden Fangvorrichtung oder die Seilbremse (z.B. System Bode) durchsetzen. 

Warum die Schutzeinrichtungen aber erst bei 115 % der Geschwindigkeit ansprechen dürfen, das ist wohl das Geheimnis der "Vorschriftenmacher".

LR 1/2001, Seite 20

siehe hierzu auch die kritische Anmerkung unter "Forum"

out:
so was gab es bisher nicht

13. Erhöhung der Förderleistung, Verkehrsfluss, etc.
 

in:

Einsatz einer Zielrufsteuerung

out:

14. Bedien- und Anzeigeelemente
 

in:

out:

15. Ausrüstungen am/im/auf/unter (dem) Fahrkorb
 

in:

- Zur Reduzierung der Fahrgeräusche im Fahrkorb und zum Druckausgleich werden luftdichte Fahrkörbe mit   Druckausgleich entwickel. Damit werden ohne Beschwerden für die Benutzer in Super-Hochhäusern Geschwindigkeiten über 7 m/s möglich sein.

LR 2/2000, Seite 102

- OTIS: Auf einem Flachbildschirm, der oberhalb der Fahrkorbtür installiert ist, werden internet-basierte Informationen dargestellt. Weltweite und lokale Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport sowie aktuelle Wetterberichte wechseln im Rhythmus von ca. 10 bis 15 s. Desweiteren: Informationen über das Gebäude, Werbung, etc.

- Schindler.air - saubere, gefilterte Atemluft wird mit einem Duftstoff angereichert und strömt in den Fahrkorb; Beduftung erfolgt nur im Bereich eines Infrarot-Sensors; der Duft haftet nicht an Körper und Kleidung; die Beduftung ist individuell (keine Raumbeduftung), d.h. nur wer vor der Duftdüse steht, riecht den Duft. Die Duftmoleküle zerfallen, wenn sie mit der Luft in Berührung kommen.

- Auf ausdrücklichen Wunsch eines Betreibers wird eine Videoüberwachung des Fahrkorbes ermöglicht. Die CCD-Kamera kann z.B. im Tableau eingebaut werden. 

- Schindler Fangvorrichtung - in LR 4/01, Seite 93 wird von einer neuer Fangvorrichtung berichtet, deren Bremsbeläge aus Keramik besteht. Schindler behauptet, dass mit dieser Fangvorrichtung die Bremsleistung um 33 %, das Volumen um 65 % und das Gewicht um 35 % verringert wird. Die Bremsbeläge widerstehen den Bremsungen völlig abnutzungsfrei. Die Führungsschienen-Oberfläche wird nicht verschlechtert (aufgeraut), selbst nicht bei mehrmaligem Fangen an gleicher Stelle.

Der Einsatz von Hochleistungskeramik im Aufzugsbau ist wahrlich eine innovative Lösung. Entwickelt wurde dieser Werkstoff ursprünglich für die Hitzeschutzschilder von Raumfahrzeugen z.B. Space Shuttle. 

Ähnlich wie die Hochleistungs-Permanentmagnete, durch deren Einsatz die heutige "Bauform" von Motoren erst ermöglicht wurde, sind diese Keramiken Sinterwerkstoffe. Beim Sintern werden pulverförmige Materialien unter hohen Druck und hoher Temperatur zusammenge"backen".

Keramiken sind sehr spröde und lassen sich nur äußerst aufwändig im Nachhinein bearbeiten, ev. mit "sauteuren" Diamanten; Vor- und Nachteile liegen eng beieinander. 

Anwendungen: Ventilsitz im Automobilbau, u.a. Hüftgelenk in der Medizintechnik, Chipfertigung, Turbinenschaufeln, Dentaltechnik, u.a.m.

Wer mehr über Hochleistungskeramiken wissen möchte, kann u.a. die Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft, Digest 3" lesen. Geben Sie das Suchwort "Hochleistungskeramik" in die Suchmaschine  "Google" ein, so werden ca. 54 Ergebnisseiten zu 10 Titeln angezeigt. Das sollte eigentlich fürs erste reichen.

out:
Die Luft in Fahrkörben wird von vielen Benutzern 
als schlecht, muffig, unangenehm, stickig, 
abgestanden, ölig oder schweißig bewertet.
 

Vandalismus, Übermaß an mutwilligen
Beschädigungen

16. Schacht-und Fahrkorbtüren
 

in: 

- nur noch automatische Schacht- und Fahrkorbtüren verfügbar, wobei stets die Fahrkorbtür angetrieben wird,

- hochwertige Türen haben eine sensiblere Schließkantenüberwachung als mechanische, voreilende Fühlerleisten oder dreidimensional wirkende Lichtgitter, sie sind geräuscharm und besitzen eine hohe Laufkultur; Drängeln (Zwangstürschließung mit verringerter Geschwindigkeit)ist erlaubt, wenn das Beladen zu lange dauert und weitere Fahrtwünsche vorliegen.

- Vorraumüberwachung zur Sicherstellung, dass der Türschließvorgang erst beginnt, wenn der Türbereich frei ist,

- leistungsfähiger Antrieb (Linear- oder Servomotor) und Antriebsregelung; die Türen müssen sanft und ruckfrei anlaufen, schnell Öffnen und schnell Schließen und bei plötzlicher Unterbrechung des Schließvorganges einen so kurzen Bremsweg haben, so dass ein Anrempeln/Berühren von Personen durch sich schließende Türblätter ausgeschlossen ist.

- Türen und deren Antrieb sollten von hoher Fertigungsqualität sein, denn sie werden im alltäglichen Betrieb echt gefordert. Eine hohe Förderleistung muss nicht unbedingt durch eine hohe Fahrgeschwindigkeit erreicht werden, gute Türen mit einem Minimum an Verlustzeiten bei jedem Haltevorgang bewirken auch einiges.

siehe hierzu auch "Begriffserläuterungen - Aufzugstechnik"

- EN 81-1/2, Ziffer 7.2.3.6 und 8.6.7.5 fordert einen Schutz vor der Gefahr des Einziehens von Kinderhänden. Bei Türen aus Glas wird das dadurch verwirklicht, dass das Glas beim Einfahren des Fahrkorbes in den Türbereich einer Haltestelle von durchsichtig auf undurchsichtig (milchig weiß) "geschaltet" wird. 

Das verwendete Verbund-Sicherheitsglas enthält einen Film aus Flüssigkristallen, die das Glas bei Spannung = AUS milchig weiß und undurchsichtig, aber lichtdurchlässig, bei Spannung = EIN jedoch durchsichtig (transparent) schalten.  LR 6/2001, Seite 114

out:
- handbetätigte Schacht- und/oder  Fahrkorbtüren
- ungeregelte Antriebsmotore, z.B. DS-Getriebemotore 
mit konstanter Geschwindigkeit,
- keine oder nur sehr grobe Schließkraftbegrenzung
- unzureichende Vorraumüberwachung
- nur eine Lichtschranke in Kniehöhe

In Deutschland dürfen Personenaufzüge nach 
TRA 200 bzw. EN 81-1/2 schon seit dem 1.1.1967 nicht 
mehr ohne Fahrkorbtüren errichtet und betrieben werden.

Die davor errichteten Anlagen sind ca. von 1970 bis 1975 
mit Fahrkorbtüren nachgerüstet worden. 

 

 

17.Innovative Produkte (Zusammenfassung der Stichworte)
 

in:

out: